Forum-Welse     

Am 15. und 16. September fand im Museum am Löwentor und im Zoologisch-Botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart das sechste Datz-Forum statt. Die Veranstaltung wurde von Herrn Stawikowski, dem Erfinder des L-Nummern-Systems geleitet.

Der folgende Tabelle gibt einen Überblick über das Vortragsprogramm:
             
Vortrag Referent Ort Thema
1 Herbert Winkelmann
Berlin Erfahrungen bei der Pflege und Nachzucht von Fiederbartwelsen
2 Erik Schiller
Neumark Aspidoras - Schmerlenpanzerwelse aus Brasilien
3 Hans-Georg Evers
Hamburg Unterwegs im Corydoras-Land - Eindrücke aus Rondônia und Acre
4 Dimitri Serov
Moskau Welse aus Vietnam - Biotope und Artenvielfalt
5 Ingo Seidel
Ganderkesee Die Gattung Pseudacanthicus - Pflege und Vermehrung im Aquarium
6 Lothar Seegers
Berlin Welse aus Afrika
7 Dietmar Franz
Potsdam Schwielenwelse
8 Roberto Reis
Porto Alegre Recent and exciting discoveries of neotropical catfishes
9 Isaäck Isbrücker
Amsterdam Die Wissenschaft lieb haben - einiges zu Panzer- und Harnischwelsen
10 Frank Schäfer
Rodgau Welse aus Indien

Die von den Referenten (Aquarianer, Autoren und Wissenschaftler) in Dia- und Multimedia-Shows vorgestellten Erfahrungen in der Haltung und Zucht der Welse, die fesselnden Fang- und Sammelreiseberichte, sowie die umfangreiche und noch längst nicht abgeschlossene, wissenschaftliche Auf- und Nachbearbeitung der vielen "Neuentdeckungen" der letzten Jahre, stießen bei den ca. 200 Teilnehmer des Datz-Forums auf Begeisterung und Bewunderung. 

In den zeitgleich erschienenen Zeitschriften, Datz-Sonderheft "Harnischwelse 2" und Datz 10/2001 können einige Berichte nachgelesen werden.

Deshalb nachfolgend nur ein paar Stichworte zum...


1. Vortrag:  Nur wenige Arten sind echte Rückenschwimmer und invers gefärbt (Schutzfärbung), d.h. ventral (Bauch) dunkel und dorsal (Rücken) hell. Im Kongobecken sind fast alle Fische Bodenbewohner. Die Rückenschwimmer haben daher einen Vorteil, da sie das Futter bereits von der Wasseroberfläche aufnehmen können. Synodontis-Arten legen bis zu 700 Eier, allerdings wird der Laich meist sofort wieder gefressen. Synodontis petricola hat kein Kuckuckslaichverhalten!

2. Vortrag:  Aspidorasarten besitzen zwei Schädelfontanellen, Brochis- und Corydorasarten nur eine.

3. Vortrag: Hans-Georg Evers berichtete von einer, von der brasilianischen Naturschutzbehörde IBAMA genehmigten und unterstützten, fischkundlichen Exkursion in die Bundesstaaten Rondônia und Acré im Oktober 2000. Die in den Flusssystemen Rio Jaçiparaná und seinem Zufluss, dem Rio Branco, der in den Rio Madeira bei Porto Velho mündet, gefundenen, neuen Corydoras-Formen, sind in der Datz 10/2001 im C-Nummern-System katalogisiert und abgebildet.
Die uns als Importeur bekannten, beobachtbaren Farbveränderungen beim Import von Saug- und Panzerwelsen aus Südamerika wurden eindrucksvoll an Beispielen vorgestellt. Danach stellte Herr Evers u.a. fest, dass z.B. der in der Natur rötlich-gelb gefärbte Panzerwels mit dem schwarzen Fleck in der Rückenflosse (als C. acriensis beschrieben) im Aquarium farblich verblasst und zum C. trilineatus mutiert!
Interessant war auch die Feststellung, dass langschnäutzige Panzerwelse im strömenden Wasser angetroffen wurden, während die rundschnäutzigen Varianten nur im ruhigem Wasser gefunden wurden.

4. Vortrag: Vietnam ist ein Gebirgsland. Herr Serov zeigte an einem Geländeprofil in der Topographie, wie schnell sich die Bedingungen für die Fische auf dem kurzem Weg vom kühlen, sauerstoffreichen Gebirgsbach  über den Mittellauf zum breiten, langsam fließenden, sauerstoffarmen und entsprechend warmen Fluss ändern. 
In den Gebirgsbächen haben die Fische Saugscheiben und bei Umströmung Unterdruck erzeugende Flossenformen entwickelt. Kiemensackwelse können bei Bedarf Überland zum nächsten Bach wandern.
Es wurden Welse gefunden, die elektrische Impulse aussenden können.

5. Vortrag: Über die erfolgreiche Pflege und Vermehrung von Pseudacanthicus-Arten berichtete Herr Seidel mit wie immer perfekten Dias. Im Datz-Sonderheft "Harnischwelse 2" finden sich zusätzliche Beschreibungen zur Fortpflanzung von Leporacanthicus-Arten.

6. Vortrag:  Herr Seegers wählte für die Vorstellung der Welse Afrikas, die Sortierung über die Topographie. Vom Gebirgsbach der fünf- bis sechstausend Meter hohen Vulkane über die Flusssysteme, den Seen, dem Kongobecken bis hin zum Unterlauf der großen Ströme, sowie den kleinen Restwassertümpeln der Trockenzeit wurden die unterschiedlichsten Lebensräume und die in ihnen lebenden Welse vorgestellt.

Aus der Familie der Quappenwelse (Amphiliidae), die in den Gebirgsbächen des Kongo-Systems vorkommen, haben einige Arten (z.B. Amphilius uranoscopus, der mit 7 cm Länge kleinbleibende Kenia-Schmerlenwels oder Leptoglanis brevis, der nur 4 cm großwerdende "Kurze Zwergquappenwels") Saugscheiben entwickelt, mit denen sie sich in der Strömung an Steinen festsaugen können.

Aus der Familie der Fiederbartwelse (Mochokidae), wurde u.a. aus der Gattung Chiloglanis die 10 cm Länge erreichende Art "Chiloglanis batesii" vorgestellt. Es handelt sich um kleine Friedfische für das  Gesellschaftsaquarium, die über ein Saugmaul verfügen!

Herr Seegers wünschte sich, dass die vielen interessanten Welse aus Afrika häufiger im Handel angeboten werden könnten. Nach Einschätzung von Herrn Seegers sind viele Fische aus Afrika noch unbenannt oder falsch bestimmt worden (gleicher Name bei großem Verbreitungsgebiet).

7. Vortrag: Herr Franz verwies auf die Revisionen und der damit verbundenen Aufnahme einer neuen Gattung bei den Schwielenwelsen (Callichthyinae), z.B. von Roberto Reis (1977). Neu aufgenommen wurde
die Gattung "Megalechis" mit den Arten M. personata und M. thoracata. Bei den Schwielenwelsen handelt es sich um Schaumnestbauern. Bei einigen Arten sind die Pektoralstachel aufgebogen. Damit können sie u.a. Wasserpflanzen für den Bau des bis zu 30 cm Ø großen Nestes ernten und transportieren. Das Nest wird oberhalb der Wasseroberfläche angelegt.

8. Vortrag: Herr Reis, der Ichthyologen-Präsident Brasiliens, stellte viele, neu entdeckte und neu benannte Arten vor. Auch ihn erstaunte, dass in Amazonien Fische von der Größe des im Mekong lebenden, ca. 2,5 m Länge erreichenden Pangasius gigas, gefangen und verspeist werden, deren Existenz der Wissenschaft bisher nicht bekannt waren.
 Über Schmerlenwelse wurde angemerkt, dass einige Unterfamilien parasitische Arten enthalten. Einige Arten ernähren sich von Schleim und Schuppen, die Arten der Unterfamilie Vandelliinae hingegen leben vom Blut anderer Fische und dringen deshalb in den Kiemenraum ein. Die von der einheimischen Bevölkerung als "Candiru" bezeichneten Schmerlenwelse sind gefürchtet, da sie sogar in die Harnwege von Säugetieren und Menschen eindringen können, dort ihre Stachel spreizen und nicht wieder zurückkönnen. Eine Entfernung ist nur operativ möglich!

9. Vortrag: Herr Isaäc J. H. Isbrücker war von 1960 bis 1985 Aquarienpfleger im Amsterdamer Zoo. Seit 1985 leitet er die Fischsammlung des Zoologischen Museums Amsterdam. Herr Isbrücker hat u.a. zusammen mit Herrn Nijssen, Herrn Seidel und andere viele Fische wissenschaftlich bestimmt, neu eingeordnet oder umgestellt. Zur Taxonomie (Einordnung der Lebewesen in ein biologisches System) wurde eine Artenliste zur "Nomenklatur der Gattungen und Arten der Harnischwelse, Familie Loricariidae vorgestellt (vgl. Datz Sonderheft 2, Seite 25 ff.) sowie 14 neue Gattungen vorgestellt.
 Herr Isbrücker verwies auf die Bedeutung der Beobachtungen und der Mithilfe der Aquarianer bei der Erforschung und Unterscheidung der Aquarienfische und dankte u.a. Herrn Seidel und Herrn Evers für ihre Bemühungen.

Vortrag 10: Zum Abschluss berichtete Herr Schäfer vom ACS-Verlag über Welse aus Indien (dazu später mehr).

Nachfolgend einige Eindrücke aus dem Aquarium auf dem Gelände des Wilhelma, aus dem Naturkundemuseum am Löwentor und aus dem Auditorium:

Bodengucker.jpg (35416 Byte) Museum_am_Löwentor.jpg (41804 Byte) Fisch-Fossil.jpg (22357 Byte) Skelett-a.jpg (36432 Byte) Skelett.jpg (42725 Byte)
Reis-mit-Pult.jpg (34161 Byte) Seegers_am_Projektor.jpg (32245 Byte) Fr_Stenzel_Hr_Kohnen_vom_Welskeller.jpg (22419 Byte) Museum-Eisen-Dino.jpg (41765 Byte) Stawikowski_Seidel_Evers_jpg.jpg (31511 Byte)

                    

 

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